
Autor: Francois Loeb, Illustratorin: Annabelle von Sperber.
Die Straßenbahn, die ins Kino wollte
Eine Strassenbahn träumt vom Kino. Ein Flötenspieler lockt Jugendliche in die Leinwand. Ein Mann sammelt Abspänne wie andere Souvenirs. Und irgendwo zwischen Filmlicht und Wirklichkeit steht François Loeb, Chronist des Alltäglichen, das sich ins Wunderbare verwandelt. Empfohlenes Alter ab 10 Jahren.
In seinen neuen Erzählungen führt Loeb seine Leserinnen und Leser auf eine poetische Fahrt durch das Reich der Fantasie, in dem Kinos, Züge und Menschen gleichermaßen Träger von Sehnsucht sind. Mit feiner Ironie und stiller Melancholie erzählt er von Begegnungen, Illusionen und kleinen Wundern. Geschichten, die bleiben, wenn das Licht längst erloschen ist.
Ein literarischer Kinobesuch der besonderen Art – leuchtend, skurril und zutiefst menschlich. Ein poetisches Kino aus Worten: In François Loebs „Die Strassenbahn, die ins Kino wollte“ verschmelzen Realität und Fantasie zu verblüffenden Miniaturen voller Witz, Tiefe und Menschlichkeit. Skurril, berührend und geistreich – Geschichten, die nachhallen, lange nachdem der Vorhang gefallen ist.
Produktdetails
Verlag: Neptun Verlag
Erscheinungstermin: 06.03.2026
1. Auflage
Autor: Francois Loeb
Illustratorin: Annabelle von Sperber
Hardcover mit Schutzumschlag
Gebundene Ausgabe mit 160 Seiten
Format: 12.5 x 19 cm
empfohlenes Alter: ab 10 Jahre (Jugendbuch)
ISBN: 9783858204288
Geleitwort zu François Loeb: Die Straßenbahn, die ins Kino wollte
Chronist der unsichtbaren Realität
Manches beginnt mit einem Satz. Bei François Loeb beginnt es oft mit einer Fahrt.
Eine Bahn zieht durch das Gelände des Unwahrscheinlichen, und wer einsteigt, verlässt die Logik der Welt. Stattdessen: ein weißes Tischtuch hoch oben in den Juras, ausgebreitet wie ein Gedanke über dem Grat der Erinnerung. Ein Mittagessen vielleicht – oder eine Szene aus einem inneren Film, projiziert auf das feine Gewebe zwischen Realität und Erzählung.
Wer François Loeb liest, reist. Nicht nur von Haltestelle zu Haltestelle, sondern von Welt zu Welt. Und dies mit einer Selbstverständlichkeit, als sei Fantasie der eigentliche Aggregatzustand der Wirklichkeit. Seit jeher begleiten uns seine Geschichten – als Skizzen und Skurrilitäten, als Miniaturen voller Poesie, als Expeditionen ins Abseitige, das plötzlich vertraut scheint.
Und immer wieder führt zwar diese Reise zurück nach Bern – in jene Stadt, deren stiller Atem zwischen Bundeshaus, Aare und alten Laubengängen pulsiert. Bern, wo das Denken Zeit hat, wo die Straßenbahn nicht nur ein Verkehrsmittel ist, sondern ein fahrender Gedanke. Hier lebte einst François Loeb. Hier flanierten seine Einfälle durch Gassen, stiegen auf aus Cafés, huschten über Brücken, setzten sich mit ihm auf eine Bank und wurden zu Geschichten. Doch längst sind die Geschichten erwachsen geworden und aus Bern ausgezogen.
In einem Porträt sagte ein Medienkritiker über François Loeb: „Er ist der Chronist einer Realität, die nur der Blick des Fantasten fassen kann – ein Eisenbahnschriftsteller, der das Unsichtbare fährt.“ Wie der Zug in seinem Geist, so fährt auch die Wahrheit – im zarten Widerspruch zu dem, was wir für wahr halten.
François Loeb erfindet nicht, er entdeckt. In Zügen, auf Spaziergängen, in Menschen, die andere übersehen würden. Und aus diesen Begegnungen formt er sein Personal: ernsthafte Narren, liebenswürdige Philosophen, leise Helden. Sie alle wohnen in seinem Kopf, wo Tag für Tag ein ganz eigenes Kino spielt – unaufhörlich, verspielt, voller Geist. François Loeb ist dabei sein eigener Filmvorführer, der jede Rolle persönlich einlegt und beim Erzählen jongliert, bis dem Leser schwindelt vor Ideen.
Sein Stil: verspielt, verschmitzt, verschlungen. Seine Form: von der klassischen Erzählung über das pointierte Kurzstück bis hin zu den Drei-Satz-Romanen – einer literarischen Miniaturform, so konzentriert wie ein Tropfen Regen, der die ganze Landschaft in sich spiegelt. Seigend, absteigend, aufsteigend – auch seine Sprache folgt Rhythmen, die man erst fühlt, bevor man sie versteht.
Aus einem langen Leben schöpfend, das geprägt war von Unternehmertum und politischer Verantwortung, hat François Loeb sich nie damit begnügt, Beobachter zu sein. Er mischt sich ein – in seine Texte wie in die Welt. Dabei bleibt immer etwas Versöhnliches zurück, ein leiser Trost zwischen den Zeilen. Vor allem in seinen Kinderbüchern – und nun auch in diesem Band, Die Straßenbahn, die ins Kino wollte – gelingt ihm das auf besondere Weise: aus der Bewegung heraus eine Haltung zu formen.
Denn wer unterwegs ist – und François Loeb ist es immer – bleibt neugierig. Seine Neugier kennt kein Alter, keine Grenze. Sie ist der Motor seiner Fantasie, der Antrieb seiner Literatur. Und vielleicht ist genau das seine größte Kunst: Dass aus dem Alltäglichsten das Außerordentliche wächst. Dass seine Geschichten weiterleben – im Leser, in der Welt, in der Vorstellung. „Nichts kann rückgängig gemacht werden, was einmal gedacht wurde“, sagte Friedrich Dürrenmatt, der mit François Loeb persönlich befreundet war. Das trifft sich gut, dass wir François Loebs Bücher haben. Ohne sie wäre unsere, wäre auch meine Welt definitiv ärmer.
Wie Max Frisch einst sagte: „Die Frage ist nicht, was der Mensch ist, sondern was der Mensch werden kann.“ François Loebs Geschichten sind solcher werdender Moment, eingefangen in einem Augenblick, der uns und mich zu immer neuen Ufern führt.
Und dass man sich am Ende fragt, ob man tatsächlich gelesen hat – oder ob man nicht vielmehr mitgefahren ist.
Murielle Rousseau, Berlin/Freiburg, August 2025








